Darmaufbau nach Antibiotika
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Erholt sich die Darmflora nach einer Antibiotika -Therapie von allein?​

Es ist teilweise in der Schulmedizin verbreitet, dass Antibiotika nur lokal wirken würden (also nur an dem Ort, wo die bakterielle Infektion vorherrscht, was in unserem Beispiel der Harntrakt wäre).

Ein anderer Teil ist sich jedoch bewusst, dass sich eine Antibiotika-Gabe auch auf den Darm auswirken kann, schließlich müssen geschluckte Tabletten durch den Magen-Darm-Trakt hindurch und kommen so zwangsläufig IMMER mit den Bakterien im Darm in Kontakt.

Auch wird meist ein Antibiotikum eingesetzt, was ein breites Spektrum an verschiedenen Bakterien abtöten kann und nicht nur diejenigen, die sich in der Harnröhre und Blase eingenistet haben. (Dafür müsste man mit dem Urin der Patientin eine Bakterienkultur wachsen lassen. Das wird aber höchstens in “harten” Fällen getan, wo das Antibiotikum nicht anschlägt. Aus diesem Grund verschreibt die Ärztin lieber schnell ein Breitspektrum-Antibiotikum).

Allerdings kommt es mir auch immer wieder zu Ohren, dass behauptet wird, dass sich die Darmbakterien nach einem Antibiotikum schnell wieder vollständig erholen würden. Das ist jedoch meist nicht der Fall, wie Studien zeigen.⁴

Auch nach mehreren Monaten erholt sich die Darmflora nicht vollständig

Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigte, dass sich die Darmflora vier Wochen nach Beendigung teilweise wieder erholen kann. Aber eben nur zum Teil.

Schaut man sich die Darmflora sechs Monate nach Beendigung der Antibiotika-Einnahme an, kann man erkennen, dass sich selbst nach diesem langen Zeitraum nicht die gesamte Darmflora erholt hat.⁵ Somit hat sich das Mikrobiom auch nach einem halben Jahr nicht vollständig erholt.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2018 beschreibt ähnliches. Hierfür nahmen 12 gesunde Männer über einen kleinen Zeitraum von vier Tagen drei verschiedene Antibiotika. Auch hier veränderte sich die Darmflora stark, konnte sich aber nach 1,5 Monaten teilweise wiederholen. Auch hier liegt die Betonung auf “teilweise”.

Selbst nach 180 Tagen (sprich nach sechs Monaten) konnten einige Bakterienstämme bei diesen Männern nicht nachgewiesen werden, welche vor der Einnahme der Antibiotika noch da gewesen waren.⁶

Ein gesundes Mikrobiom ist vielfältig

Dass sich die Darmflora der gesunden (!) Menschen in diesen Studien, welche Antibiotika einnahmen, auch nach Monaten nicht vollständig erholte, ist ein Problem. Dabei ist gerade die eingeschränkte Diversität der Bakterienarten im Darm die Schwierigkeit.

In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass gerade eine große Vielfalt an verschiedenen Bakterienstämmen mit einer generell besseren Gesundheit in Verbindung steht.⁷ Auch soll man mit 90%iger Trefferquote anhand des Intestinalen Mikrobioms erkennen können, ob eine Person eher schlank oder übergewichtig ist.⁸

Dysbakterie nach Antibiotika

Dabei ist neben der Vielfalt der Bakterienstämme auch wichtig, wie die Mengenverhältnisse der Bakterienarten sind. Es gibt Bakterienarten, die man eher als ungünstig betrachtet und welche in der Überzahl mit Krankheiten in Verbindung gebracht werden. So gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Überzahl des Bakteriums Clostridium difficile und Antibiotika-bedingten Durchfall⁹ (um mal ein mildes Beispiel zu nennen).

Aber auch schwerwiegendere Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom, Übergewicht, Diabetes Typ-2 sowie Krebs werden mit einem krankhaften Darmmilieu in Verbindung gebracht.¹⁰ Genauso wie Autoimmunkrankheiten.¹¹

Eine ungesunde bzw. in der Vielfalt eingeschränkte Darmflora, mit “ungünstigen” Darmbakterien in der Überzahl, nennt man übrigens Dysbiose oder auch Dysbakterie. Und das eben finden wir, wenn wir uns die Studien anschauen, in den meisten Fällen nach einer Antibiotika-Therapie.

Nun sind Antibiotika nicht per se schlecht. In vielen Fällen retten sie Leben und auch bei einer Blasen- oder gar Nierenbeckenentzündung helfen sie schnell dabei, dass es uns besser geht und sich die Bakterien nicht im Körper ausbreiten.

Deswegen kommen wir manchmal um eine Einnahme nicht herum. Umso mehr drängt sich die Frage auf: Was können wir tun, damit es unserer Darmflora auch mit und nach eine Antibiotika-Therapie besser geht?

Was Du schon während der Antibiotika-Einnahme tun kannst

Bereits während Du Antibiotika einnimmst, kannst Du schon etwas für Dein Mikrobiom tun. Es gibt einige Experten, welche empfehlen, neben dem Antibiotikum auch ein Probiotikum einzunehmen

Ein Probiotikum enthält für den Menschen wichtige und gesundheitsfördernde Bakterien, die sich bei Einnahme auch positiv auf das Darmmilieu auswirken sollen.

Zeitversetzte Einnahme von Pro- und Antibiotikum

Dabei ist es wichtig das Probiotikum nicht gleichzeitig mit dem Antibiotikum einzunehmen, da Probiotika auch nur Bakterien sind, welche durch das Antibiotikum abgetötet werden können. Besser nimmst Du Pro- und Antibiotikum zeitversetzt ein. Zum Beispiel:

Du nimmst morgens und abends eine Tablette Deines Antibiotikums. Dann nimm am Besten zum Mittag das Probiotikum ein.

Ich empfehle diese Vorgehensweise eher nicht, eben weil die eingenommenen probiotischen Bakterien auch im Darm nicht resistent gegenüber dem Antibiotikum sind. Da ein qualitativ hochwertiges Probiotikum seinen Preis hat, wäre diese Praxis eventuell rausgeschmissenes Geld. 

Besser: Arzneihefe während der Einnahme eines Antibiotikums

Es gibt eine andere Möglichkeit, Dein Intestinales Mikrobiom schon während der Antibiotika-Einnahme zu unterstützen. 

Als wirksam gegen z.B. Antibiotika-bedingtem Durchfall¹² hat sich die Arzneihefe Saccharomyces boulardii herausgestellt. Diese Hefeart ist resistent gegenüber Antibiotika.¹³ Man läuft damit also nicht Gefahr, dass die Einnahme dieser Art Probiotikums während der gleichzeitigen Einnahme von Antibiotika abgetötet wird. 

So zeigt eine Studie mit der Arzneihefe, dass nur ca. 43% der ursprünglichen Mikrobiota nach Antibiotikagabe noch intakt war. Wurde parallel zur Antibiose die Arzneihefe Saccharomyces boulardii gegeben, blieben über 85% der ursprünglichen Darmflora-Zusammensetzung erhalten und auch die Gesamtzahl aller Bakterien blieb stabiler.¹⁴

Während der Einnahme eines Antibiotikums kann also die Einnahme von Saccharomyces boulardii Deine Darmflora teilweise schützen. Du bekommst die Arzneihefe in jeder Apotheke oder Du kannst sie im Internet bestellen.

Darmsanierung nach Antibiotika-Therapie

Egal, ob Du bei einer Gabe von Antibiosen Deine Darmflora unterstützt hast oder nicht, lohnt es sich gerade nach der Einnahme, Deinem Darm bei der Wiederherstellung eines gesundes Darmmileus zu helfen. Hier sind meiner Meinung nach drei Faktoren wichtig:

  • Unterstützung der Darmschleimhaut
  • Unterstützung der Darmflora mit Prä- und Probiotika
  • eine entzündungshemmende Ernährung

    Darauf möchte ich jetzt im Detail eingehen.

Die Darmschleimhaut effektiv unterstützen

Unsere Darmschleimhaut ist ein wichtiger “Schutzwall”, welcher als die letzte Instanz unsere Innenwelt von der Außenwelt trennt. Dabei ist sie nur eine Zellschicht dick¹⁵ (Zum Vergleich: Unsere Haut besteht aus sieben Zellschichten), da sie nicht nur als Schutz dient, sondern aufgespaltene Nahrung schnell durch diese hindurchströmen kann. 

Dafür sind die einzelnen Zellen durch “Tight Junctions” (also feste oder dichte Verbindungen) miteinander verbunden. So wird sichergestellt, dass wirklich nichts durch diese “Zellwand” hindurch kommt, was nicht hindurch soll und Schaden in unserem Körper anrichten könnte. 

Bestimmte Faktoren können diesen Tight Junctions jedoch schaden und die Darmschleimhaut damit durchlässig für Schadstoffe machen. Ursachen für eine erhöhte Darmpermeabilität könnte z.B. Stress¹⁶ oder auch eine veränderte Darmflora sein. So vermutet man bei einem Experiment an Ratten, dass sich durch die Veränderung des Mikrobioms auch die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöht.¹⁷ Andere Studien können solche Zusammenhänge nicht herstellen.¹⁸

Allerdings ist bekannt, dass es enge Zusammenhänge zwischen einer Dysbiose und Autoimmunkrankheiten gibt. Das Verbindungsglied scheint dabei ein “Leaky Gut” (so nennt man eine erhöhte Darmpermeabilität auch) zu sein, welcher im Wesentlichen durch eine Dysbiose provoziert werden kann.¹⁹ 

Aus diesem Grund finde ich es sinnvoll, die Darmschleimhaut zu unterstützen. Diese profitiert grundsätzlichen von Nährstoffen, wie der Aminosäure L-Glutamin²⁰ oder dem Pflanzenstoff Quercetin²¹.

Man kann diese Dinge einzeln zu sich nehmen (gerade L-Glutamin), oder auf ein gut zusammengestelltes Präparat zurückgreifen, welches die Darmschleimhaut unterstützt und möglichen Entzündungen im Darm sinnvoll entgegenwirkt.

Unterstützung der Darmflora mit Prä- und Probiotika

Da die Darmflora nach Antibiotika-Verschreibung von allein nicht wieder zu 100% hergestellt werden kann, empfehle ich nach Beendigung der Einnahme mit einem Probiotikum zu beginnen

Ein gut gewähltes Probiotikum kann Dein Mikrobiom von Außen dabei unterstützen, sich schneller zu regenerieren. Neben der Arzneihefe Saccharomyces boulardii ist es ratsam, ein Probiotikum einzusetzen, welches besonders viele Bakterienstämme beinhaltet – sprich eine hohe Diversität aufweist.

Das Mikrobiom mit einem aktiven Probiotikum unter die Arme greifen

Ich achte zudem besonders darauf, dass ein Probiotikum aktive Bakterien beinhaltet, damit diese auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen – im Darm. 

Die meisten Probiotika setzen allerdings inaktive Bakterien ein. Dann achte bitte zumindest darauf, dass sie in einer Kapselhülle geliefert werden, die stark genug ist, die Magensäure abzuwehren. Inaktive Bakterien können diese nämlich viel schlechter durchqueren. 

Wenn Du ein Flüssig-Probiotikum verwendest (so wie meinen Liebling in der Produktempfehlung), dann starte langsam. Beginne nicht mit der vollen Dosis, sondern steiger Dich langsam. Ich habe damit viel bessere Erfahrungen gemacht.

Füttere Deine neuen Darmbakterien mit Präbiotika

Ein Probiotikum bringt jedoch nichts, wenn Du diese Bakterien nicht fütterst. Nur so überleben sie auch in Deinem Darm. 

Dazu dienen Präbiotika. Das sind keine Bakterien, sondern Stoffe, die als Nahrung für diese Bakterien dienen. Das sind vor allem lösliche Ballaststoffe, welche nur von den Bakterien verwertet werden können. 

Präbiotika kannst und solltest Du über die Nahrung zu Dir nehmen. Jedoch ist auch hier die Vielfalt entscheidend, denn jedes Bakterium isst eine andere Art von Ballaststoff besonders gern. Bringe deswegen Abwechslung auf den Tisch. Gerade Artischocken, Zwiebeln, Knoblauch und Topinambur bieten reichlich Nahrung für die kleinen Freunde.

Allerdings ist unsere heutige Ernährung eher arm an löslichen Ballaststoffen oder wieviel isst Du von den oben genannten Lebensmitteln? (Unlösliche Ballaststoffe bekommen wir schon eher über die Nahrung zugeführt.)

Es kann sich daher lohnen, ein zusätzliches Präbiotikum nach der Antibiotika-Einnahme (und auch weit darüber hinaus) einzunehmen. Das geht z.B. ganz einfach durch Flohsamenschalen, welche reich an Inulin sind.

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Wie solltest Du Dich während und nach der Antibiotika-Einnahme ernähren?

Am wichtigsten ist und bleibt jedoch die Ernährung. Sie hilft Dir schon während der Antibiotika-Therapie, schlimmeres zu verhindern. Aber gerade auch nach der Einnahme ist es entscheidend, was Du isst, um z.B. Pilzinfektionen zu vermeiden (viele Frauen klagen über vaginale Pilzinfektionen nach dem Antibiotikum²²).

Aus diesem Grund sollten zuckerhaltige und Weißmehl-Produkte vermieden werden, da gerade diese das Wachstum von schädlichen Hefekulturen wie Candida albicans antreiben.²³

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Ernähre Dich farbenfroh und bringe viel frisches Bio-Gemüse und Obst auf den Tisch. Die Pflanzenstoffe in Früchten und Gemüse wirken besonders entzündungshemmend und unterstützen Deine Darmflora. 

Verzichten solltest außerdem auf Transfette, sowie Pflanzenöle als auch auf zu viel rotes Fleisch. Diese Lebensmittel stören Dein Mikrobiom eher und können Entzündungen fördern.²⁴ ²⁵ ²⁶

Beherzigst Du diese ganzen Tipps, solltest Du Dich schnell wieder von der Antibiotika-Einnahme erholen.

¹ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27040304/
² https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6502976/³ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16827601/#:~:text=The%20use%20of%20probiotics%2C%20especially,lactobacilli%20may%20protect%20against%20UTIs
⁴ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4831151/
⁵ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19018661/
⁶ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30349083/
⁷ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6366966/
⁸ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3577372/
⁹ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC356823/
¹⁰ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4838534/
¹¹ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33968085/
¹² https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2494098/
¹³ https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0399077X16307764
¹⁴ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26723852/
¹⁵ https://news.harvard.edu/gazette/story/2017/07/understanding-how-the-intestine-replaces-and-repairs-itself/
¹⁶ https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159119310980
¹⁷ https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0144854
¹⁸ https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413116303023
¹⁹ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33968085/
²⁰ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4369670/
²¹ https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0955286310001877
²² https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18612052/
²³ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5572443/
²⁴ https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/abs/transfatty-acids-alter-the-gut-microbiota-in-highfatdietinduced-obese-rats/8CD01C19E7B4B6E7F4C1436F4025194B
²⁵ https://academic.oup.com/cdn/article/4/Supplement_2/1452/5845665
²⁶ https://www.gutmicrobiotaforhealth.com/excessive-consumption-of-red-meat-can-change-gut-microbiota-leading-to-the-appearance-of-heart-disease/

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Hey, ich bin Julia

Als Hormon und PCOS Coach helfe ich Frauen dabei, ihre Hormone natürlich zu regulieren. Damit die damit verbundenen Symptome – wie ständige Müdigkeit, Haarausfall, Akne, überflüssige Pfunde und ausbleibende Periode – endlich der Vergangenheit angehören.
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